Der ifo-Geschäftsklimaindex hat im April 2026 deutlich zugelegt. Das Münchener ifo Institut meldete am Freitag einen Anstieg auf 89,6 Punkte nach 88,1 Punkten im März und damit den vierten Zuwachs in Folge (Quelle: ifo Institut, 24. April 2026). Sowohl die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage als auch die Erwartungen für die kommenden sechs Monate verbesserten sich. Es ist der höchste Indexstand seit Mai 2024.
Hauptauslöser ist nach Einschätzung der Marktteilnehmer die jüngste Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank. Die EZB hatte den Hauptrefinanzierungssatz auf 2,25 Prozent gesenkt und den Lockerungszyklus damit fortgesetzt (laut Reuters, 24. April 2026). Niedrigere Finanzierungskosten dürften vor allem mittelständischen Unternehmen Luft verschaffen, deren Investitionsbudgets in den vergangenen 18 Monaten unter den hohen Zinsen gelitten hatten.
“Die deutsche Wirtschaft kommt in Bewegung”, sagte ifo-Präsident Clemens Fuest in einer Mitteilung des Instituts. Der Aufschwung stehe jedoch auf wackligen Beinen, solange die Industrie ihre Auftragsflaute nicht überwinde.
Industrie schwach, Dienstleister im Aufwind
Im Detail zeigt sich ein gespaltenes Bild. Im verarbeitenden Gewerbe bleibt das Geschäftsklima trotz leichter Verbesserung im negativen Bereich. Insbesondere die Automobilindustrie und der Maschinenbau melden weiterhin schwache Auftragseingänge. Laut Handelsblatt (25. April 2026) fielen die Industrieaufträge im März saisonbereinigt um 1,2 Prozent, wobei vor allem Großaufträge aus dem Ausland fehlten.
Der Dienstleistungssektor entwickelt sich gegensätzlich. Hier kletterte das Klima auf den höchsten Wert seit drei Jahren. Treiber sind IT-Dienstleister, Logistik und Tourismusanbieter. Auch der Einzelhandel meldete eine spürbare Belebung, gestützt von steigenden Reallöhnen und gesunkenen Energiepreisen. Der Bauhauptsektor profitiert von der Zinswende, bleibt aber unter Druck: Der Wohnungsbau zeigt erste Erholungstendenzen, der Wirtschaftsbau leidet unter zurückhaltenden Großinvestitionen.
Märkte preisen Belebung ein
An den Finanzmärkten fiel die Reaktion uneinheitlich aus. Der DAX schloss am Freitag rund 0,3 Prozent fester, blieb damit aber unter seinem Allzeithoch aus dem Februar (Quelle: Bloomberg, 25. April 2026). Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen stieg auf 2,38 Prozent, da der Markt eine konjunkturelle Belebung einpreist und weitere EZB-Schritte als unsicher gelten.
Bankenanalysten von Deutsche Bank Research und Commerzbank rechnen für das Gesamtjahr 2026 mit einem BIP-Wachstum zwischen 0,8 und 1,1 Prozent. Damit läge Deutschland weiter unter dem Eurozonen-Durchschnitt, aber spürbar über dem Stagnationsjahr 2025. Die Deutsche Bundesbank hatte in ihrem April-Monatsbericht ähnliche Größenordnungen genannt und besonders auf Risiken aus dem internationalen Handelsumfeld hingewiesen.
Ausblick: Was die kommenden Wochen entscheiden
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob der Stimmungsumschwung trägt. Am 29. April legt die Deutsche Bank ihre Q1-Zahlen vor, Anfang Mai folgen die deutsche Inflationsrate und der Arbeitsmarktbericht der Bundesagentur für Arbeit. Auch BMW und Mercedes-Benz veröffentlichen ihre Quartalsbilanzen und werden zeigen, wie tief die Schwäche der Automobilindustrie bereits eingepreist ist.
Sollte der ifo-Index seinen Aufwärtstrend im Mai bestätigen, dürfte das Bild eines fragilen, aber realen Aufschwungs Bestand haben. Bleibt die Industrieflaute hingegen länger bestehen, droht erneut eine Spaltung von Stimmung und Substanz, die der EZB den Spielraum für weitere Zinsschritte einengen würde.
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