Herzogenaurach, am Vorabend der Bilanz: Wenn Adidas am Mittwochmorgen die Q1-2026-Zahlen ohne den Schatten der Yeezy-Restbestände vorlegt, ist der Konzern erstmals seit 2022 wieder ein „normaler” Sportartikler. CEO Bjørn Gulden hatte den Verkauf der Kanye-West-Linie bereits Ende 2024 abgeschlossen; der Sondereffekt aus dem Restbuchwert war im Vorjahresquartal aufgelöst (Adidas Geschäftsbericht 2024). Was bleibt, ist ein bereinigtes Bild — und es trifft auf eine Lage, die unbequemer ist, als der Aktienkurs Ende 2025 vermuten ließ.
Trumps Zoll-Schatten über der Vietnam-Lieferkette
Adidas produziert seine Schuhe und Bekleidung zu großen Teilen außerhalb Europas. Laut konzerneigenem Sustainability-Reporting entfielen zuletzt rund 27 Prozent der Schuhproduktion auf Vietnam, etwa 31 Prozent auf Indonesien und rund 16 Prozent auf Kambodscha (Adidas Sustainability Report 2024). Genau diese Länder hat die Trump-Administration mit reziproken Zöllen belegt: Vietnam wurde im April 2025 zunächst mit 46 Prozent bedroht, nach bilateralen Verhandlungen liegt der effektive Aufschlag laut USTR-Notiz inzwischen im niedrigeren zweistelligen Bereich (Reuters, Februar 2026). Gulden hatte auf der Bilanzpressekonferenz im Februar gewarnt, der Konzern werde die Zollbelastung „nicht vollständig auf den Verbraucher überwälzen” können. Weil Q1-Verkäufe noch auf Vorlauf-Beständen aus Q4 2025 ruhen, dürfte der volle Margen-Effekt erst zum Halbjahr 2026 sichtbar werden. Analysten der DZ Bank rechnen mit einer Belastung im niedrigen zweistelligen Basispunkt-Bereich auf Jahressicht.
Yeezy weg, Fußball-Kalender flach: Was Q1 ohne Sondereffekte zeigt
In den ersten Monaten des Jahres fehlt ein großes Fußball-Event. Der Schub aus der UEFA Euro 2024, der Adidas vor allem im zweiten und dritten Quartal 2024 Wachstumstempo gegeben hatte, ist nicht wiederholbar. Den nächsten Verbands-Effekt erwartet das Unternehmen aus der FIFA WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko — Werbeschub und Trikotverkäufe materialisieren sich aber typischerweise erst im Q2 und Q3. Im Schatten des Konzerns drängt Konkurrent Puma — wenige Kilometer entfernt in Herzogenaurach — wieder enger heran: Unter CEO Arne Freundt hat das Unternehmen seine Verbandspartnerschaften zuletzt ausgeweitet und damit den klassischen DACH-Druck auf Adidas verschärft (Puma Investor Relations, Q4 2025).
Die Margen-Frage als Lackmustest
Gulden hatte zur Jahresbilanz 2025 eine operative Marge im hohen einstelligen Bereich für 2026 in Aussicht gestellt, deutlich über dem Krisenjahr 2024 (Adidas Pressemitteilung, 31.01.2026). Das Q1-Ergebnis muss diesen Pfad nicht erreichen — Q1 ist historisch das margenschwächste Quartal — wohl aber bestätigen. Beobachter der Berenberg Bank halten den Ausblick für entscheidender als die Q1-Zahl selbst: Bestätigt Gulden die Jahresziele trotz Zöllen, dürfte die Aktie positiv reagieren; senkt er auch nur leicht, gerät die im Sportartikel-Sektor inzwischen ambitionierte Bewertung unter Druck.
Was Mittwoch entscheidet
Die Q1-Bilanz ist mehr Stimmungsbarometer als Wendepunkt. Für die DAX-Quartalssaison aber ist Adidas — nach Mercedes-Benz und vor BASF, DHL und der Deutschen Bank — ein wichtiger Konsum-Indikator: Hält die Stimmung in Europa? Verkraftet ein global aufgestellter deutscher Konzern die neue US-Handelspolitik? Reicht der Margenrückenwind aus dem bereinigten Sortiment, um die aktuelle Bewertung zu rechtfertigen? Antworten kommen Mittwoch um 7 Uhr aus Herzogenaurach.
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