Die deutsche Wohnungsbaukonjunktur festigt ihre Erholung. Im Juni 2026 genehmigten die Bauämter den Bau von 21.600 Wohnungen, das waren 13,8 Prozent mehr als im Juni 2025. Das teilte das Statistische Bundesamt am 18. August 2026 mit (Pressemitteilung Nr. 291). Damit setzt sich ein Aufwärtstrend fort, der die Branche seit dem Frühjahr trägt. Im April hatte das Plus 9,2 Prozent betragen, im Mai sprang es auf 24,7 Prozent. Der Juni ordnet sich zwischen diesen Werten ein und bestätigt, dass der tiefe Einbruch der Vorjahre überwunden scheint. Auf den Neubau entfielen im Juni 17.800 Wohnungen (plus 14,1 Prozent), auf Umbaumaßnahmen im Bestand 3.900 (plus 12,1 Prozent).
Noch deutlicher wird das Bild im Halbjahresvergleich. Von Januar bis Juni 2026 genehmigten die Behörden 126.300 Wohnungen, das sind 16.600 oder 15,1 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2025. Der Zuwachs zieht sich durch fast alle Gebäudearten. Bei den Neubauwohnungen in Wohngebäuden lag das Plus bei 15,8 Prozent auf 103.100 Wohnungen. Die Einfamilienhäuser, lange das Sorgenkind der Statistik, legten um 12,7 Prozent auf 24.000 zu, die Zweifamilienhäuser sogar um 27,3 Prozent auf 7.700. Den größten Block bilden weiter die Mehrfamilienhäuser mit 67.000 genehmigten Wohnungen, ein Plus von 16,9 Prozent. Bei den Wohnheimen fiel der Zuwachs mit 0,9 Prozent auf 4.400 dagegen kaum ins Gewicht. Zusätzlich entstanden Wohnungen in neuen Nichtwohngebäuden (plus 42,7 Prozent auf 2.400) sowie durch Umbauten im Bestand (plus 9,2 Prozent auf 20.800).
Auffällig ist der Sprung von einem Monat zum nächsten. Der Mai hatte mit plus 24,7 Prozent einen besonders hohen Wert markiert, der Juni fällt mit plus 13,8 Prozent nüchterner aus. Solche Ausschläge sind bei den Baugenehmigungen die Regel, weil einzelne große Vorhaben eine Monatsstatistik verzerren können. Aussagekräftiger als der einzelne Monat ist deshalb der Halbjahrestrend, und der weist mit plus 15,1 Prozent stabil nach oben. Der Juni bremst die Erholung also nicht, er normalisiert sie nur nach einem außergewöhnlich starken Vormonat.
Die Zahlen steigen, weil sie tief gefallen waren
So kräftig die Zuwächse wirken, sie sind auch eine Folge der niedrigen Ausgangsbasis. Nach dem Zinsschock von 2022 war der Wohnungsbau eingebrochen. Bauherren stornierten Projekte, weil Kredite teuer und Baukosten hoch waren. Gemessen an diesem gedrückten Niveau fällt jeder Vergleich mit dem Vorjahr üppig aus. Die absoluten Zahlen liegen weiterhin deutlich unter den Werten der Jahre vor 2022. Ein Halbjahreswert von 126.300 Wohnungen bleibt weit entfernt von dem Tempo, das nötig wäre, um den aufgestauten Bedarf zu decken.
Denn zwischen einer Genehmigung und einer bezugsfertigen Wohnung liegen Jahre. Die Baugenehmigung ist ein Frühindikator. Sie zeigt die Absicht zu bauen, nicht das fertige Gebäude. Viele genehmigte Projekte verzögern sich, andere werden gar nicht erst begonnen. Der sogenannte Bauüberhang, also die Zahl der genehmigten, aber noch nicht fertiggestellten Wohnungen, ist in den vergangenen Jahren gewachsen. Steigende Genehmigungszahlen sind deshalb ein notwendiges, aber kein hinreichendes Signal für mehr Wohnraum.
Der Abstand zum politischen Ziel bleibt
Das zeigt sich am Abgleich mit den politischen Vorgaben. Die Bundesregierung hält an dem Ziel von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr fest. Rechnet man den Halbjahreswert der Genehmigungen hoch, liegt schon die Zahl der geplanten Wohnungen unter dieser Marke, und die Zahl der tatsächlich fertiggestellten wird noch niedriger ausfallen. Die Erholung bei den Genehmigungen ist real, doch sie führt vorerst nicht zu einem Angebot, das die angespannten Wohnungsmärkte in den Großstädten spürbar entlasten würde.
Für die Richtung des Marktes ist die Aufwärtsbewegung dennoch bedeutsam. Sie signalisiert, dass Investoren und private Bauherren wieder Vertrauen fassen. Die Europäische Zentralbank hat die Leitzinsen seit ihrem Höhepunkt gesenkt, Finanzierungen sind planbarer geworden. Auch die Erwartung stabiler oder sinkender Baukosten dürfte manches Projekt aus der Schublade geholt haben. Der besonders starke Zuwachs bei den Zweifamilienhäusern deutet darauf hin, dass private Eigentümer die vorsichtige Wende nutzen.
Was die nächsten Monate zeigen müssen
Ob aus dem Genehmigungsplus ein Bauplus wird, entscheidet sich in den Fertigstellungsstatistiken der kommenden Quartale. Solange der Bauüberhang groß bleibt, lautet die zentrale Frage nicht, ob genug genehmigt, sondern ob genug tatsächlich gebaut wird. Für die Kreditwirtschaft, die den Wohnungsbau finanziert, ist die Erholung gleichwohl ein willkommenes Signal nach mageren Jahren. Für die Aufsicht bleibt die Wohnimmobilienfinanzierung ein Schwerpunkt, wie das gemeinsame Aufsichtsprogramm von BaFin und Bundesbank ausweist.
Die Bilanz des ersten Halbjahres 2026 fällt damit zweigeteilt aus. Der Trend zeigt klar nach oben, und das über alle Gebäudearten hinweg. Zugleich mahnt der Abstand zwischen genehmigten und benötigten Wohnungen zur Vorsicht. Mehr Genehmigungen sind ein Anfang. Gebaut ist damit noch nichts.
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