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Deutschlands Banken haben 2025 einen Rekord erzielt, doch die Zahl braucht zwei Korrekturen. Die operativen Erträge stiegen laut Bundesbank um 4,1 Prozent auf 172,5 Milliarden Euro. Im Vorjahr waren es 165,6 Milliarden Euro. Der Zuwachs von 6,9 Milliarden Euro war breit genug, um nicht als bloßer Ausreißer durchzugehen: 900 von 1.171 betrachteten Instituten, also knapp 77 Prozent, hielten oder steigerten ihre operativen Erträge.

Die Verteilung des Zuwachses und ein Wechsel der statistischen Methode relativieren die Schlagzeile dennoch. Fast die Hälfte des Mehrertrags entfiel auf eine einzelne, von der Bundesbank nicht genannte Großbank. Zugleich ist die Eigenkapitalrendite 2025 nicht ohne Weiteres mit der bislang veröffentlichten Zeitreihe vergleichbar. Erst nach beiden Abgleichen wird sichtbar, wie viel Ertragskraft im System tatsächlich wiederholbar ist.

Weniger als 3,45 Milliarden Euro von einer Großbank

Die Bundesbank nennt für das einzelne Institut keinen absoluten Betrag. Aus den veröffentlichten Summen lässt sich aber eine belastbare Obergrenze ableiten. Die operativen Erträge nahmen von 165,6 auf 172,5 Milliarden Euro zu, also um 6,9 Milliarden Euro. Wenn die Großbank fast die Hälfte beisteuerte, lag ihr Anteil unter rund 3,45 Milliarden Euro. Eine genauere Zahl oder die Identität des Instituts geben die Daten nicht her.

Damit verbleiben mehr als 3,45 Milliarden Euro Zuwachs bei den übrigen Instituten. Ohne den zusätzlichen Beitrag der einen Großbank hätten die operativen Erträge folglich immer noch mehr als rund 169 Milliarden Euro erreicht. Das entspräche einem Plus von gut 2 Prozent und ebenfalls einem Rekord. Der Befund ist deshalb zweigeteilt: Die Konzentration ist erheblich, sie erklärt den Rekord aber nicht vollständig.

Auch die Bankengruppen stützen diese Lesart. Kreditgenossenschaften steigerten ihre operativen Erträge um 1,4 Milliarden Euro oder 5,0 Prozent. Regionalbanken und sonstige Kreditbanken legten um 1,9 Milliarden Euro oder 5,4 Prozent zu. Bei den Sparkassen erhöhten 259 von 341 Instituten ihre operativen Erträge, bei den Kreditgenossenschaften waren es 540 von 643.

Provisionen tragen, die Zinsmarge tritt auf der Stelle

Im Kerngeschäft kamen zwei ähnlich große Wachstumsbeiträge zusammen. Der Zinsüberschuss stieg um 2,4 Milliarden Euro oder 2,2 Prozent auf 109,9 Milliarden Euro. Die Zinsmarge blieb mit 1,15 Prozent jedoch nahezu unverändert, auf vergleichbarer Basis hatte sie 2024 bei 1,16 Prozent gelegen. Der höhere Zinsüberschuss ist daher eher ein Volumen- und Refinanzierungseffekt als ein neuer Margensprung. Sinkende Zinsaufwendungen überwogen den Rückgang der Zinserträge.

Der Provisionsüberschuss wuchs stärker, um 6,4 Prozent auf 43,6 Milliarden Euro. Das sind 2,6 Milliarden Euro mehr als 2024. Fast drei Viertel der Banken hielten oder steigerten ihr Provisionsergebnis. Bei Sparkassen halfen vor allem Zahlungsverkehr und Kundenwertpapiergeschäft, bei Kreditgenossenschaften das Vermittlungs- und Wertpapiergeschäft. Diese Breite macht den Provisionsanstieg zum überzeugendsten wiederholbaren Teil des Rekords.

Nicht alles ist so dauerhaft. Das sonstige betriebliche Ergebnis sprang um 44,6 Prozent auf 7,7 Milliarden Euro. Sein Zuwachs von rund 2,4 Milliarden Euro entspricht etwa einem Drittel des gesamten Ertragsanstiegs. Maßgeblich war der Wegfall von Rückstellungen bei einer Großbank. Das Handelsergebnis sank dagegen um 4,1 Prozent auf 11,4 Milliarden Euro. Die Bundesbank legt nicht offen, wie sich der gesamte Beitrag der einzelnen Großbank über Zins-, Provisions- und sonstiges Ergebnis verteilt. Der Rückstellungswegfall darf deshalb nicht mit dem kompletten Institutseffekt gleichgesetzt werden.

Die aggregierten Kreditkosten geben ein falsches Signal

Auch unterhalb der Ertragszeile verzerrt ein Einzelinstitut das Gesamtbild. Der Netto-Bewertungsaufwand, der unter anderem Wertberichtigungen auf Kredite und Wertpapiere erfasst, sank im Aggregat um 9,1 Prozent auf 11,9 Milliarden Euro. Ohne einen Sondereffekt bei einem weiteren Institut aus der Gruppe der Großbanken wäre er jedoch leicht gestiegen.

Die Breitenzahlen zeigen den Druck deutlicher. Bei 720 von 1.171 Instituten erhöhte sich der Netto-Bewertungsaufwand. Kreditgenossenschaften verbuchten einen Anstieg um 41,6 Prozent, Sparkassen um 29,6 Prozent und Regionalbanken sowie sonstige Kreditbanken um 20,6 Prozent. Der aggregierte Rückgang ist daher kein Beleg für allgemein sinkende Kreditrisiken.

Der Jahresüberschuss vor Steuern stieg nur um 0,9 Milliarden Euro oder 1,8 Prozent auf 52,3 Milliarden Euro. Großbanken steuerten jedoch 4,6 Milliarden Euro mehr bei als 2024, während Landesbanken, Regionalbanken, Sparkassen und Kreditgenossenschaften Rückgänge meldeten. Auch hier ist der Systemwert stärker konzentriert, als die Rekordsumme vermuten lässt.

Der Methodenwechsel verkleinert den ROE-Rückgang

Bei der Eigenkapitalrendite liegt die wichtigste Korrektur im Nenner. Bis einschließlich 2024 verwendete die Bundesbank jahresdurchschnittliches bilanzielles Eigenkapital aus der monatlichen Bilanzstatistik. Ab 2025 nutzt sie das Eigenkapital zum Jahresende aus den Einzelabschlüssen. Für den Textvergleich hat sie den Vorjahreswert auf die neue Methode umgerechnet.

Auf dieser vergleichbaren Basis sank die Eigenkapitalrendite von 8,04 Prozent im Jahr 2024 auf 7,85 Prozent im Jahr 2025, also nur um 0,19 Prozentpunkte. Die historische Tabelle im neuen Bericht zeigt für 2024 weiterhin 8,48 Prozent nach der alten Durchschnittsmethode. Wer 8,48 direkt mit 7,85 Prozent vergleicht, erhält einen scheinbaren Rückgang um 0,63 Prozentpunkte. Davon entfallen 0,44 Prozentpunkte auf den Methodenbruch und 0,19 Prozentpunkte auf die tatsächliche Veränderung. Der Bericht zum Jahr 2024 hatte unter der alten Methode zunächst einen vorläufigen Wert von 8,43 Prozent ausgewiesen.

Dass die vergleichbare Rendite trotz eines höheren Jahresüberschusses sank, erklärt die Bundesbank mit dem stärkeren Anstieg des bilanziellen Eigenkapitals. Das ist keine Ertragsschwäche, sondern ein Nenner- und Kapitalisierungseffekt. Es ist aber auch kein Renditesprung.

Der Rekord hält dem Abgleich somit stand, nur seine Qualität ist gemischt. Breite Provisionszuwächse, ein leicht höherer Zinsüberschuss und operative Verbesserungen bei vielen Instituten sprechen für wiederholbare Ertragskraft. Dagegen stehen knapp die Hälfte des Zuwachses bei einer Großbank, ein rückstellungsgetriebener Sprung im sonstigen Ergebnis und steigende Bewertungsaufwendungen in der Breite. Für die Bewertung des Sektors sind deshalb drei Größen aussagekräftiger als die Rekordsumme allein: der Ertragszuwachs ohne den Einzelbankeffekt, die Entwicklung von Zinsmarge und Provisionen sowie eine methodengleiche Eigenkapitalrendite.

DE Regional Journalist
Covers: German finance, technology, regulation

Felix Wagner covers German finance, technology and regulation for Clarqo's DE edition, with a focus on bank supervision, BaFin, the Bundesbank and operational resilience.