Donnerstag, 22. Oktober 2026
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Unitrees Kursrutsch prüft die Umsatzqualität

Der erste große Börsentest für Chinas Humanoidenboom dreht sich vom Demo-Effekt zur Frage, welche Kunden wiederholt zahlen und welche Nachfrage staatlich gestützt bleibt.

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Unitree Robotics ist sechs Wochen nach dem Börsengang noch immer fast dreimal so viel wert wie zum Angebotspreis. Trotzdem erzählt der Kurs inzwischen eine andere Geschichte als am ersten Handelstag. Laut Kursübersicht der Shanghaier Börse schloss die Aktie am 30. September bei 450,40 Yuan. Das waren rund 59 Prozent weniger als der Höchstkurs von 1.100 Yuan, aber noch knapp 199 Prozent mehr als der Ausgabepreis von 150,80 Yuan. Der Rückgang ist damit kein Beleg für einen Zusammenbruch des Geschäfts. Er ist zunächst die Korrektur einer außergewöhnlichen Erstbewertung.

Gerade deshalb eignet sich Unitree als erster öffentlicher Qualitätstest für Chinas Humanoidenboom. Der Markt muss nun nicht mehr nur bewerten, wie viele Maschinen das Unternehmen ausliefert. Er muss entscheiden, wie viel davon wiederholte kommerzielle Nutzung, Folgegeschäft und belastbare Industrienachfrage darstellt.

Drei Kursbasen, drei verschiedene Aussagen

Der Bericht der Shanghaier Börse zum Debüt nennt 1.100 Yuan als ersten Handelskurs. Gegenüber dem Angebotspreis von 150,80 Yuan war das ein Sprung um 629 Prozent. Die Aktie kostete bei der Eröffnung also das 7,3-Fache des Ausgabepreises. Am Ende des ersten Tages standen 845 Yuan. Das entsprach einem Plus von 460 Prozent und dem 5,6-Fachen des Angebotspreises.

Darum können der berichtete Eröffnungssprung von 629 Prozent und die Formulierung, Unitree sei am ersten Tag auf mehr als das Fünffache gestiegen, gleichzeitig stimmen. Die erste Zahl misst den prozentualen Gewinn vom Angebot bis zur Eröffnung. Die zweite beschreibt das Verhältnis zwischen Angebotspreis und erstem Schlusskurs. Vom Schlusskurs des ersten Tages bis zum 30. September verlor die Aktie rund 47 Prozent. Der oft zitierte Rückgang von 55 Prozent vom Höchststand bezog sich auf den Stand des Reuters-Berichts vom 21. September, nicht auf den jüngsten Schlusskurs.

Auslieferung ist noch keine Nutzung

Unitrees Börsenprospekt weist für 2023 bis 2025 den Verkauf von 33.294 vierbeinigen Robotern und 5.632 Humanoiden aus. Allein 2025 lieferte das Unternehmen mehr als 5.500 Humanoide aus, verbuchte aber 5.215 Stück als verkauft. Die Differenz ist wichtig: Ein Teil der ausgelieferten Geräte war zum Jahresende noch nicht abgenommen oder anderweitig noch nicht umsatzwirksam.

Auch ein verbuchter Verkauf beantwortet die Qualitätsfrage nur teilweise. Er zeigt, dass ein Kunde ein Gerät übernommen hat. Er zeigt nicht, wie viele Stunden der Roboter produktiv arbeitet, ob derselbe Kunde nachbestellt oder ob Unitree mit Wartung, Software und Training wiederkehrende Erlöse erzielt. Solche Kohorten- oder Nutzungsdaten veröffentlicht der Prospekt nicht.

Das Wachstum selbst ist real und steil. Der Umsatz stieg 2025 auf 1,70 Milliarden Yuan, nach 392,8 Millionen Yuan im Vorjahr. Humanoide brachten 867,8 Millionen Yuan ein und standen für 51,78 Prozent des Hauptgeschäfts. Vierbeiner lieferten 697,6 Millionen Yuan, Komponenten 103,7 Millionen Yuan. Doch der durchschnittliche Verkaufspreis eines Humanoiden sank binnen eines Jahres um 36 Prozent auf 166.400 Yuan. Die Bruttomarge der Produktgruppe fiel von 69,26 auf 63,18 Prozent. Unitree gewann also Volumen auch über günstigere Modelle und niedrigere Preise.

Im ersten Halbjahr 2026 setzte sich das Wachstum fort. Der Börsenbericht nennt rund 1,15 Milliarden Yuan Umsatz und ein Plus von 48,54 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das stärkt den Fall für eine weiter wachsende Nachfrage, ersetzt aber keine Aufschlüsselung nach Endnutzung oder Wiederkäufen. Auch schnell steigender Umsatz kann überwiegend aus dem erstmaligen Aufbau eines Kundenbestands stammen. Umgekehrt sprechen der hohe Auslandsanteil und die breite Kundenbasis dagegen, Unitrees Geschäft ohne weitere Belege als bloßes Förderprodukt abzutun.

Für die These eines bereits etablierten, wiederkehrenden Geschäfts gibt es dagegen wenig offengelegte Substanz. Sonstige Umsätze, darunter Vermietung und technische Dienstleistungen, machten 2025 nur 1,36 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Der Prospekt trennt dabei nicht aus, welcher Anteil tatsächlich wiederkehrt. Hardwareverkäufe dominieren weiterhin.

Breite Kundenbasis, begrenzte Transparenz über den Einsatz

Gegen eine einfache Blasenthese spricht die geringe Kundenkonzentration. Die fünf größten Kunden standen 2025 zusammen für 12,08 Prozent des Umsatzes, der größte einzelne Kunde für 3,11 Prozent. 43,65 Prozent des Hauptgeschäfts kamen aus dem Ausland. Keiner der fünf größten Kunden war laut Prospekt eine verbundene Partei.

Der Prospekt weist dennoch verbundene Verkäufe aus. Sie summierten sich 2025 auf 20,2 Millionen Yuan, rund 1,2 Prozent des Gesamtumsatzes. Davon entfielen 18,2 Millionen Yuan auf Beijing Galbot. Ein Unitree-Direktor sitzt dort ebenfalls im Verwaltungsrat. Der Prospekt erklärt, Galbot habe die Maschinen für eigene Forschung sowie für den Weiterverkauf nach weiterer Entwicklung gekauft. Die Größenordnung ist zu klein, um Unitrees Gesamtumsatz zu tragen, gehört aber in jede Prüfung der Umsatzqualität.

Auch bei staatlich gestützter Nachfrage ist Differenzierung nötig. Laut Beteiligungsübersicht im Prospekt hält Unitree zehn Prozent an einem Hangzhouer Pilotzentrum für verkörperte Intelligenz, dessen übrige Eigentümer überwiegend städtisch kontrolliert sind. In der Aufstellung der verbundenen Verkäufe erscheint das Zentrum jedoch nicht als Umsatzquelle. Reuters berichtete unter Berufung auf anonyme Branchenkontakte, Datenzentren und Gemeinschaftsunternehmen mit teils 80 bis 90 Prozent lokaler Staatsfinanzierung hätten bei manchen Robotikfirmen erhebliche Umsätze erzeugt. Der Bericht ordnet diese Anteile nicht Unitree zu. Aus ihm lässt sich deshalb keine staatliche Umsatzquote für Unitree ableiten.

Keine belegte formelle IPO-Bremse

Dass Aufseher genauer hinsehen, ist plausibel. Eine veröffentlichte neue Zulassungsregel gibt es bislang aber nicht. Reuters beschreibt informelle Fenstersteuerung und zitiert zugleich die Einordnung, es gebe kein formelles Verbot. Die chinesische Wertpapieraufsicht nahm zu der Anfrage nicht Stellung.

Auch die namentlich bekannten Verfahren beweisen noch keine Kurswende nach Unitrees Debüt. Die Shanghaier Börse nahm den Antrag von Deep Robotics am 18. Mai an, fragte am 27. Mai nach und veröffentlichte am 7. August die erste Antwort. Für Leju Robotics liegen ebenfalls offizielle IPO-Unterlagen vor, die den laufenden Zulassungsprozess belegen. Beide Verfahren liefen damit schon vor Unitrees Börsendebüt am 19. August. Für AgiBot ist keine konventionelle Börsenanmeldung veröffentlicht. Mech-Mind nahm den Handel in Hongkong noch am 1. September auf.

Der belastbare Befund ist deshalb enger als die Rede von einem regulatorischen Stopp. Unitrees Kurs hat die Bewertungsmaßstäbe verschoben, während öffentliche Akten noch keine formelle Verschärfung belegen. Für den nächsten Bewertungsabschnitt zählen nun Kennzahlen, die im Prospekt fehlen: Wiederkaufsquoten, produktive Einsatzstunden, Service- und Softwareerlöse, Forderungslaufzeiten sowie der Anteil unabhängiger Industrieaufträge. Erst diese Angaben können zeigen, ob aus spektakulären Vorführungen eine wiederholbare Nachfrage wird.

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DE Regional Journalist · Schwerpunkt: German finance, technology, regulation

Felix Wagner covers German finance, technology and regulation for Clarqo's DE edition, with a focus on bank supervision, BaFin, the Bundesbank and operational resilience.

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