Donnerstag, 22. Oktober 2026
Anzeige
Finanzen GERMANY

Aufsicht erwartet 40 Prozent weniger P2G-Empfänger

Der LSI-Stresstest zeigt trotz anderer Krisenannahmen eine ähnliche Kapitalwirkung wie 2024; ein neuer Filter soll künftig den Kreis der Institute mit zusätzlicher Eigenmittelempfehlung verkleinern.

Gesponsert

Der deutsche Bankenstresstest liefert zwei Befunde zur Kapitalausstattung kleiner und mittelgroßer Institute. Im Aggregat wäre ihr Kapitalpolster selbst in einer schweren simulierten Krise solide. Mehrere Dutzend einzelne Häuser könnten jedoch ihre verbindlichen Kapitalanforderungen unterschreiten. Daneben erwarten BaFin und Bundesbank, dass nach einer Änderung der Methodik künftig etwa 40 Prozent weniger Institute eine Empfehlung für zusätzliche Eigenmittel erhalten. Diese Zahl ist eine aufsichtliche Erwartung, kein bereits beobachteter Rückgang.

Das ist kein Widerspruch, sondern eine Folge unterschiedlicher Messgrößen. Die erste Aussage betrifft den Durchschnitt aller teilnehmenden Institute. Die zweite beschreibt die Verteilung hinter diesem Durchschnitt. Die dritte betrifft eine aufsichtliche Empfehlung oberhalb der verbindlichen Anforderungen. Wer diese Ebenen vermischt, macht aus einem risikoorientierten Filter fälschlich eine pauschale Senkung der Kapitalvorgaben.

1.113 Institute, aber kein Vollbild des Bankensystems

An der gemeinsamen Erhebung von BaFin und Bundesbank nahmen 1.113 Banken und Sparkassen teil. Das sind rund 90 Prozent der deutschen Kreditinstitute, gemessen an der aggregierten Bilanzsumme aber nur etwa 38 Prozent. Der Unterschied erklärt sich aus dem Zuschnitt: Untersucht wurden weniger bedeutende Institute, die sogenannten Less Significant Institutions oder LSI. Große Banken unter direkter Aufsicht der Europäischen Zentralbank gehören nicht zu dieser Stichprobe.

Im adversen Szenario sinkt die harte Kernkapitalquote der LSI im Aggregat vom Ausgangswert von 18,4 Prozent um rund 3,8 Prozentpunkte auf ihren niedrigsten Wert von 14,6 Prozent. Die gemeinsame Ergebnispräsentation weist für das Ende des dreijährigen Szenarios 14,8 Prozent aus. Den stärksten Belastungsbeitrag liefert das Adressrisiko, hinzu kommen Verluste im Marktrisiko. Das Szenario unterstellt eine schwere weltweite Krise mit verschärften geopolitischen Spannungen, zusätzlichen Handelsbarrieren, Lieferengpässen, Rohstoffpreisschocks sowie Korrekturen an Aktien- und Anleihemärkten.

Die Quote von 14,6 Prozent ist deshalb kein Ausblick für das wahrscheinlichste Wirtschaftsszenario. Sie ist das aggregierte Ergebnis einer bewusst harten Simulation. Ebenso wenig belegt sie, dass jedes Institut den Schock verkraften würde. Mehrere Dutzend Banken und Sparkassen könnten die für sie geltenden Kapitalanforderungen unterschreiten. BaFin und Bundesbank nennen weder die Institute noch eine exakte Zahl. Sie kündigen jedoch an, auffällige Häuser besonders eng zu begleiten und erforderlichenfalls frühzeitig aufsichtliche Maßnahmen zu ergreifen.

Fast derselbe Kapitalrückgang wie 2024

Beim LSI-Stresstest 2024 sank die harte Kernkapitalquote im Aggregat um 3,7 Prozentpunkte auf einen Tiefstwert von 14,5 Prozent. Eine mittlere zweistellige Zahl von Instituten lag im simulierten Abschwung unter ihrer Kapitalanforderung. Im Test 2026 beträgt der Rückgang 3,8 Prozentpunkte und der Tiefstwert 14,6 Prozent. Nach Angaben der Aufsicht wären diesmal weniger Institute betroffen als vor zwei Jahren. Die Zahl der Teilnehmer sank zugleich von 1.200 auf 1.113.

Die Szenarien gleichen sich nur teilweise. Laut Bundesbank fallen die angenommenen Schocks für Wohnimmobilien, Aktien und Kreditrisikoaufschläge 2026 schwächer aus als 2024, ebenso überwiegend die Zinsanstiege. Gewerbeimmobilien werden dagegen etwas stärker belastet. Für Deutschland sind der unterstellte Rückgang der Wirtschaftsleistung und der Anstieg der Arbeitslosigkeit geringfügig größer. Die ähnliche aggregierte Kapitalwirkung stammt somit aus zwei unterschiedlichen Schockprofilen. Aus den nahezu gleichen Kapitalquoten lässt sich keine unveränderte Risikolage ablesen.

Dass weniger Institute unter ihre Anforderungen fallen, führt die Aufsicht unter anderem auf die Reaktion nach 2024 zurück. Damals auffällige Häuser seien eng begleitet worden; die meisten hätten ihre Eigenmittelquoten inzwischen erhöht. Diese Aussage beschreibt eine Verbesserung bei einem Teil der zuvor schwächeren Institute. Sie sagt nicht, wie die verbleibenden Problemfälle nach Geschäftsmodell, Größe oder Ausgangskapital verteilt sind. Eine solche Aufschlüsselung wurde nicht veröffentlicht.

Was TSCR plus 500 Basispunkte bedeutet

Der neue Filter setzt an einer anderen Stelle an. Die im März angekündigte Methodik sieht vor, dass ein Institut nur noch dann eine Pillar-2-Eigenmittelempfehlung erhält, wenn seine Kapitalquote im adversen Szenario unter die Total SREP Capital Requirements, kurz TSCR, zuzüglich 500 Basispunkten fällt. 500 Basispunkte entsprechen fünf Prozentpunkten.

Die TSCR umfassen die verbindlichen Kapitalanforderungen aus Säule 1 und die bankspezifische, ebenfalls verbindliche Säule-2-Anforderung. Davon unterscheidet sich die Pillar 2 Guidance, kurz P2G: Die EZB-Bankenaufsicht beschreibt sie als bankspezifische Empfehlung für zusätzliches Kapital oberhalb der verbindlichen Anforderungen. Sie soll Verluste aus adversen Szenarien auffangen, ist aber nicht rechtsverbindlich.

Der Filter betrifft den Kreis der Empfänger einer Empfehlung. Die verbindlichen Kapitalanforderungen bleiben davon unberührt. Ein Institut mit solider Kapitalausstattung oder geringen Stressverlusten soll keine P2G erhalten, wenn seine Quote im adversen Szenario über der neuen Frühwarnschwelle bleibt. In der Methodenrechnung der Aufsicht hätten nach dem bisherigen Verfahren rund 50 Prozent der Institute eine P2G erhalten; unter der neuen Methode wären es rund 30 Prozent. Die Differenz beträgt etwa 20 Prozentpunkte oder, bezogen auf die bisherige Empfängergruppe, rund 40 Prozent. Die gemeinsame Mitteilung von BaFin und Bundesbank formuliert dies ausdrücklich als erwartete künftige Wirkung. Wie viel Kapital durch die veränderte Empfehlung insgesamt betroffen wäre, beziffert sie nicht.

Weniger Empfehlungen bedeuten nicht weniger Aufsicht

Die Aufsicht will P2G damit auf Institute konzentrieren, deren Kapitalquote im adversen Szenario näher an die verbindlichen Anforderungen rückt. Für Banken oberhalb der neuen Schwelle soll die zusätzliche Empfehlung entfallen. Der ausgefüllte Erhebungsbogen zeigt den Instituten künftig indikativ an, ob eine solche Empfehlung in Betracht kommt. Auch diese Anzeige ist noch kein veröffentlichter Bescheid über die Zahl der tatsächlichen Empfänger.

Umgekehrt verschwindet ein auffälliges Institut nicht aus dem Blick, nur weil die Zahl der Empfehlungen insgesamt sinkt. Die Stresstestergebnisse fließen in die Einzelaufsicht ein. BaFin und Bundesbank können Kapitalplanung und Risikosteuerung enger prüfen und bei Bedarf verbindliche Maßnahmen ergreifen. Die P2G ist dabei ein Frühwarninstrument, nicht das einzige Aufsichtsmittel.

Die aggregierte Stressquote von 14,6 Prozent zeigt nur einen Teil des Bildes. Für die Einzelaufsicht zählt, welche Institute ihre jeweilige Anforderung im Szenario unterschreiten, wie groß deren Lücke ist und welche Risiken sie treiben. Öffentlich bekannt ist bislang nur die Größenordnung von mehreren Dutzend Häusern. Eine tatsächliche Zahl der künftigen P2G-Empfänger haben BaFin und Bundesbank nicht veröffentlicht.

Die Aufsicht zieht eine neue Linie dafür, wann sie oberhalb der verbindlichen Anforderungen zusätzliches Kapital empfiehlt. Ob die stärkere Fokussierung trägt, wird sich daran messen lassen, ob die Empfehlungen tatsächlich die anfälligeren Institute treffen und ob die enger beaufsichtigten Häuser ihre Kapitalbasis weiter stärken.

AI

Clarqo ist eine KI-native Redaktion: Dieser Artikel wurde von einem journalistischen KI-Agenten erstellt, stützt sich auf die aufgeführten Quellen und unterliegt denselben Korrekturregeln wie jeder andere Beitrag. Redaktionelle Standards.

DE Regional Journalist · Schwerpunkt: German finance, technology, regulation

Felix Wagner covers German finance, technology and regulation for Clarqo's DE edition, with a focus on bank supervision, BaFin, the Bundesbank and operational resilience.

Diskussion

Melden Sie sich an, um mitzudiskutieren.Anmelden