EZB: Zweiter Digital-Euro-Netzvertrag beginnt im Mai 2027
Die EZB hat zwei Gruppen für die Netzanbindung verpflichtet, doch Nexi mit Telekom soll zunächst den Pilotbedarf abdecken; die Anbieterwahl ist erst für eine mögliche Ausgabe ab 2029 zugesagt.
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Die Europäische Zentralbank hat zwei Gruppen mit der Netzanbindung für das Digital-Euro-Projekt beauftragt. Für den geplanten Pilotbetrieb bedeutet das zunächst aber keine nachgewiesene doppelte Verbindung. Nach der Mitteilung der EZB vom 30. Oktober soll der Vertrag der erstplatzierten Gruppe den Konnektivitätsbedarf des Piloten zunächst abdecken. Der Vertrag der zweiten Gruppe beginnt erst im Mai 2027. Ob und ab wann beide Gruppen während des Piloten parallel Verbindungen bereitstellen, sagt die Mitteilung nicht.
Die Unterscheidung ist wichtig, weil zwischen der Unterzeichnung eines Vertrags, einer betriebsbereiten Verbindung und einem erprobten Wechsel bei einer Störung mehrere Schritte liegen. Die EZB beschreibt einen künftigen Auswahlrahmen für Zahlungsdienstleister, veröffentlicht aber noch keinen Nachweis, dass ein Teilnehmer im Pilotbetrieb von einem Netzanbieter zum anderen wechseln kann.
Zwei Gruppen, gestaffelte Verträge
Die erste Gruppe besteht aus Nexi Payments und Deutsche Telekom Business Solutions. Ihr Vertrag trat am 28. September 2026 in Kraft und soll zunächst die Netzanbindung für den Digital-Euro-Piloten abdecken. Die zweite Gruppe umfasst Telefónica de España, Telefónica Global Solutions und Indra Soluciones Tecnologías de la Información. Deren Vertrag beginnt nach EZB-Angaben im Mai 2027. Beide Vereinbarungen sollen der EZB erlauben, den angeforderten Leistungsumfang während des Piloten und späterer Projektphasen anzupassen.
Die Netzgruppen sollen teilnehmende Zahlungsdienstleister und nationale Zentralbanken mit der Digital Euro Service Platform, kurz DESP, verbinden und die Kommunikation zwischen deren Komponenten ermöglichen. Sie sollen damit eine technische Zugangsschicht bereitstellen. Die Vergabe entscheidet weder über die Ausgabe des digitalen Euro noch darüber, welche Zahlungsdienstleister später Endkunden bedienen. Für den Piloten hat die EZB 36 Zahlungsdienstleister aus dem Euroraum ausgewählt, die eigene Pilotdienste vorbereiten.
Der Beginn des zweiten Vertrags liegt vor dem für die zweite Jahreshälfte 2027 vorgesehenen Pilotstart. Daraus allein folgt jedoch weder, dass beide Gruppen schon zum Start produktiv erreichbar sind, noch, dass jeder Pilot-Zahlungsdienstleister beide Verbindungen parallel nutzt. Die EZB nennt in ihrer Mitteilung für den zweiten Vertrag keinen Zeitpunkt der technischen Inbetriebnahme im Piloten und keine Aufteilung der teilnehmenden Institute auf die beiden Gruppen. Eine Aussage über einen einzelnen technischen Ausfallpunkt wäre ohne Netzarchitektur ebenso unbelegt wie die Behauptung einer bereits funktionierenden Umschaltung.
Welche Wahl ist tatsächlich angekündigt?
Für eine mögliche Ausgabe ab 2029 sollen nach EZB-Angaben beide Gruppen die erforderlichen Verbindungen liefern können. Zahlungsdienstleister, die dann einen digitalen Euro anbieten, sollen sich über eine der beiden Gruppen anschließen können. Das ist eine Aussage über das vorgesehene spätere Angebot, keine bestätigte Anbieterwahl für jeden Teilnehmer des Piloten. Die EZB knüpft die weitere Projektphase an eine Entscheidung ihres Rats; über eine Ausgabe ist noch nicht entschieden.
Ein älteres Architekturdokument für den Piloten beschreibt, dass Pilot-Zahlungsdienstleister einen der vom Eurosystem beauftragten Netzanbieter vertraglich nutzen sollen. Die aktuelle Mitteilung präzisiert nun die gestaffelten Vertragsdaten und den anfänglichen Pilotumfang der ersten Gruppe. Das Architekturdokument zeigt den vorgesehenen Anschlussweg, belegt aber nicht, wann die zweite Gruppe im Pilotbetrieb für Teilnehmer verfügbar sein wird. Wer heute von zwei auswählbaren Pilotnetzen spricht, vermischt Planung und nachgewiesenen Betrieb.
Für den Anschluss nennt die Pilot-FAQ der EZB zwei technische Wege: verschlüsselte VPN-Verbindungen über das Internet oder dedizierte Leitungen. Das sind Zugangsarten zum Netzanbieter, keine zwei voneinander unabhängigen Netzanbieter und kein belegter Ersatzweg bei einer Störung. Welche Variante ein Institut einsetzt, sagt allein noch nichts über eine Umschaltung zwischen den beiden beauftragten Gruppen.
Was vor dem Start getestet werden soll
Der Pilot ist für zwölf Monate ab der zweiten Jahreshälfte 2027 geplant. Neben den 36 Zahlungsdienstleistern sollen ausgewählte Händler sowie Beschäftigte der EZB und von 19 nationalen Zentralbanken teilnehmen. Die Bundesbank beschreibt den deutschen Teil als Erprobung realer Zahlungen mit einer Beta-Version unter kontrollierten Bedingungen. Sie sucht dafür unter anderem einen stationären Händler an einem Bundesbank-Standort in Frankfurt am Main. Ein Test mit ausgewählten Teilnehmern ist noch kein regulärer Betrieb für die Bevölkerung.
Der veröffentlichte Onboarding-Überblick sieht für Zahlungsdienstleister einen ersten Verbindungstest sowohl in der Test- als auch in der Produktionsumgebung der DESP vor. Die EZB-FAQ nennt zusätzlich Nutzertests für Registrierung, vier vorrangige Zahlungsanwendungen, betriebliche Abläufe und vollständige Prozessketten. Die Teilnehmer sollen ihre Integration mit der Plattform und die Ausführung der vorgesehenen Abläufe überprüfen. Detailliertere Unterlagen zum Onboarding, Testen und Training sollen die ausgewählten Institute erhalten.
Das sind konkrete Prüfungen der Erreichbarkeit und der Zahlungsabläufe. Öffentlich beschrieben ist damit noch kein Versuch, bei Ausfall der ersten Netzgruppe automatisch oder manuell auf die zweite umzuschalten. Ebenso fehlen veröffentlichte Ergebnisse zu Umschaltzeiten, Datenkonsistenz nach einer Unterbrechung oder zum gleichzeitigen Ausfall von Verbindungen. Die Lücke betrifft die öffentliche Nachprüfbarkeit; sie beweist keinen Mangel im geplanten System.
Im Architekturdokument stehen durchaus Zuverlässigkeitsziele: Pilot-Zahlungsdienstleister sollen für ihre Zahlungs-, Liquiditäts- und Zugangsverwaltungsdienste eine Verfügbarkeit von 99,85 bis 99,95 Prozent anstreben. Für Pilotdienste mit kritischen Auswirkungen ist ein Wiederherstellungsziel von vier Stunden genannt. Diese Werte richten sich an die Zahlungsdienstleister. Sie sind weder ein veröffentlichtes Leistungsversprechen der beiden Netzgruppen noch ein Beleg für einen getesteten Wechsel zwischen ihnen.
Auch die vorgesehene Offline-Zahlung darf nicht als Netzreserve missverstanden werden. Laut FAQ sollen direkte Zahlungen zwischen zwei Personen per NFC ohne Internetverbindung funktionieren. Das Aufladen und spätere Rücktauschen der Offline-Bestände bindet jedoch wieder den Zahlungsdienstleister und das Eurosystem-Backend ein. Für Online-Zahlungen bleibt die Verbindung zur Plattform wesentlich. Ein erfolgreicher Offline-Test würde daher einen Ausfall der Online-Anbindung nicht automatisch ausgleichen.
Woran sich der Fortschritt messen lässt
Für eine belastbare Einschätzung der Ausfallsicherheit wären nach dem Start weitere Angaben nötig: Wann wurde die zweite Gruppe tatsächlich angeschlossen, wie viele Pilotinstitute nutzen welche Verbindung, wurden Störungen und Wechsel zwischen Anbietern geprobt und welche Wiederanlaufzeiten wurden erreicht? Die EZB kündigt an, über den Pilotfortschritt zu informieren. Bis Ergebnisse vorliegen, sind vertragliche Vorsorge, technische Bereitschaft und getestete Wiederherstellung getrennte Befunde.
Der Projektstatus der Bundesbank ordnet auch den Zeitplan ein: Das Eurosystem bereitet sich auf eine mögliche Ausgabe im Jahr 2029 vor, während der EU-Rechtsrahmen noch verhandelt wird. Erst nach dessen Verabschiedung kann die EZB über die Ausgabe entscheiden. Der Pilot prüft also eine künftige Infrastruktur. Er ist weder die Ausgabe selbst noch ein Beweis, dass die geplante Wahl zwischen zwei Netzanbietern bereits im Alltag funktioniert.
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